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Reisebericht 2002
Bilder aus China
Reisebericht 2002

21.5.02 Abflug / 1.Tag / 20:45 Uhr
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So, nun geht es also los. Reisebeginn und Start meiner Berichterstattung. Bisher, nach gut 2 Stunden Flug, geht die Reise voll in Ordnung. Habe einen Platz auf der Gangseite ergattert und kann daher auch meine Beinchen gut ausstrecken. Getränke und Essen (Hühnchen oder Fisch) gab es auch schon. Bin jetzt gerade angefangen ein Buch ("Mondscheintarif" so der Titel) zu lesen. Scheint ja ganz witzig zu sein. Höre dazu traditionelle chinesische Klänge vom Bordnetz. Leider ist mir kurz vor der Reise mein MD-Rekorder kaputt gegangen. So werde ich wohl zwei Wochen ohne meine Lieblingsmusik auskommen müssen. *seufz* Im Moment steuern wir gerade auf Moskau zu. Einen Film gab es auch schon. Bisher war allerdings alles gezeigte auf chinesisch. Jim Beam....ähem....Mr.Bean war aber auch so zu verstehen. *lächel*
 

22.5.02 Ankunft / 2.Tag / 14:05 Uhr
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Da isser nu, der Herr Wernersen! Der Flug, die Kontrollen und der Transfer (vorbei an der Baustelle des, inzwischen ja fertig gestellten, Transrapids) zum Hotel liefen besser als erwartet. Habe ein relativ altbackenes, aber nobel wirkendes Zimmer im 19. Stock des SAS Radisson-Hotels von Shanghai. Shanghai ist mit ca. 13 Millionen Einwohnern nach Chongqing die zweitgrößte Stadt Chinas und das wirtschaftliche Zentrum der Küstenregion an der Jangtze-Mündung. Vom architektonisch monströs wirkenden neuen Flughafen waren es schlappe 50km Fahrt an riesigen "Hochhäuserwäldern" vorbei. Für jemanden, der gerade mal die Türme von Frankfurt-"Mainhattan" kennt, ist das schon ein beeindruckender Anblick! Das Handy funktionierte erwartungsgemäß nicht (mein Provider E-Plus bot bis dahin kein Roaming für China, ausgenommen Hong Kong,  an). Sicherlich könnte ich vom Zimmertelefon aus für astronomische Summen Richtung Heimat telefonieren. Es gibt aber sicherlich noch andere Möglichkeiten. Werde mir jetzt erstmal eine kleine Pause gönnen, denn schließlich gibt es heute bereits die ersten Programmpunkte abzuarbeiten...
Übrigens ist es hier außerst diesig-dunstig, 17°Celsius "warm" und windig. *brrr*

0:30 Uhr:
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Nach einem kleinen Nickerchen und Bad will ich jetzt noch mal schnell den Rest des Tages zusammenfassen. Haben uns also gegen 15:00 Uhr mit dem Bus (einem Kleinbus der Marke KINGPIN) in den Shanghaier Verkehr gestürzt. Der steht dem ägyptischen im Vergleich kaum nach. Es wird vielleicht weniger gehupt (ist offiziell verboten zu hupen) aber ansonsten werden auch hier sämtliche Verkehrschilder, -regeln und Ampeln ad absurdum geführt. Gerade als Fußgänger lebt es sich dort brandgefährlich. Da hilft nur Augen zu und durch. Durch diese Chaotik bedingt stehen wir auch häufig und lange in Staus. Dabei findet der Verkehr in Shanghai in zwei Ebenen statt. Es gibt dort massig viele Hochstraßen. Viele sind noch nicht einmal fertiggestellt und stehen dort als Teilstücke oder Aufnahme für Werbegerüste stumm in der Gegend herum. Unser erstes Ziel war dann auf jeden Fall ein alter und berühmter Jade-Budda-Tempel, der inmitten neuzeitlicher Gebäude stand. Er liegt im Nordwesten der Stadt und ist der Bekannteste von Shanghai.Dort gab es sehr viele, teilweise schon kitschige Ornamentik (im strömenden Regen) zu bestaunen. In dem Tempel befinden sich zwei bedeutende Statuen: der Jada-Buddha sowie ein liegender Buddha. Der Jade-Buddha wurde 1882 von einem chinesischen Mönch aus Burma hierher gebracht.  Unser nächstes Ziel war der "Bund" - eine berühmte Flaniermeile am Hafen Shanghais mit den ältesten Gebäuden dieser Stadt im Kolonialstil. Der Bund verläuft  am linken Ufer des Huangpu-Flusses. Hier befand sich während der Kolonialzeit die Internationale Zone der Briten und Amerikaner.   Leider fand das Wetter immer noch Möglichkeiten sich weiter zu verschlechtern, so daß ich schon Mühe hatte das andere Ufer mit den neuen Gebäuden im "Bladerunner"-Stil zu bestaunen. Diese Häuser waren alle noch nicht älter als maximal 15 Jahre und kamen zum Teil schon sehr futuristisch daher. Unter ihnen zum Beispiel das dritthöchste Gebäude (der JIN MAO TOWER) und der zweithöchste Fernsehturm der Welt namens Oriental Pearl Tower. Shanghai wird auch die "Perle des Ostens" genannt, daher der Name des Turms. Mit einer Höhe von 468 Metern ist der Oriental Pearl Tower eines der höchsten Gebäude Asiens. Überhaupt habe ich noch nirgends eine solche Bautätigkeit wie in Shanghai bzw. China erlebt. Wahnsinn, was hier an Mensch und Material bewegt wird...
Uns wurde gesagt, daß 800 Mio. Chinesen ihr Leben als Bauern fristen - ich hatte eher den Eindruck mich vielleicht verhört zu haben und meine eher mal 800 Mio. Bauarbeiter gehört zu haben.... :-)
Nach dem kleinen Bummel ging es in ein Restaurant in der Nähe zum Abendessen. Mein wirklich erster ernsthafter Kontakt mit den berühmten Stäbchen. *grins* Das Essen war sehr lecker und ist mit der deutsch-chinesischen Küche einfach nicht zu vergleichen.
Mal schauen, was der morgige Tag so bringt. Wir wollen mit dem Bus nach Suzhou. Die 2500 Jahre alte Stadt wird wegen ihrer Kanäle und romantischen Brücken das "Venedig von China" genannt.
Suzhou liegt ca. 80 km westlich von Shanghai. Unweit der Stadt verläuft der Kaiserkanal, durch den es zu einem Zentrum der Binnenschifffahrt wurde.  

23.5.02 / 3.Tag / 17:28 Uhr
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So, dann will ich mal schnell alles zu Papier bringen, bevor ich die Hälfte wieder vergessen habe. Es gibt hier doch wohl Tag für Tag soviel neues an Input, da habe ich bestimmt noch ein paar Monate nach dem Urlaub dran zu knuspern.
Heute früh ging es mit dem Bus nach Suzhou. Zuerst einmal war nicht viel davon zu sehen. Schon gar net von einer Stadtgrenze Shanghais. Irgendwie wurde unsere Reise ständig von Ansiedlungen begleitet. Unterbrochen nur von hundsgemeinen Löchern, die unseren Busfahrer zu abenteuerlichen Fahrmanövern zwangen. Ich saß vorne und konnte mir ein Bild davon machen. Die Mitreisenden, die nicht die selbe Perspektive wie ich von der Straße hatten, dachten schon unser Fahrer wäre stinkbesoffen! :-)
In Suzhou angekommen, war von Beschaulichkeit keine Spur. Zuerst durchfuhren wir eine gigantische Hochstraßenbaustelle um dann in einen typischen Großstadtverkehr einzutauchen. Doch plötzlich ging es in eine Seitenstraße, in die Bäume zwar wunderschön gewachsen waren, aber hochgefährlich tief und eng in die Straße ragten. Hier gab es wieder eine wagemutige Fahrmanöver unseres Busfahrers sowie der anderen Verkehrsteilnehmer, vor allem der Radler, zu "bewundern"...
Auf direktem Wege ging es zum "Garten des bescheidenen Beamten" - der aber wirklich seinem Namen nicht gerecht wurde und ganz und gar nicht bescheiden war! Er zählt zu den größten der Stadt! Nach dem Mittagessen, bei wieder mal phantastischem chinesischem Essen (und mit den Stäbchen klappte es auch immer besser), war das vielbesungene *rätsel* "Kloster des kalten Berges" unser Ziel. Dort gab es vor allem eine schöne Aussicht von einer Pagode zu bewundern. Schließlich endete der Tag mit einer Besichtigung des kleinsten, aber ebenso wunderschönen "Garten des Meisters der Netze". Irgendwie hab ich ja an diesen Gärten einen richtigen Narren gefressen. Würde mir am Liebsten so einen Garten einpacken und zu Hause "aufstellen"... :-)
Kein Vergleich mit diversen botanischen Gärten, wie z.B. in München oder Hamburg! Übrigens änderte sich das Wetter am Mittag sehr radikal und es wurde nun richtig warm und sonnig! *freu*
Den Abend erkundigte ich dann noch die Gegend des, gar net soooo tollen, Hotels, welches aber eine tolle Lage direkt am "Leben" hatte.
Unsere Gruppe ist sich inzwischen schon ein klein wenig näher gekommen und wir scheinen wohl eine homogene Truppe zu sein/werden...

24.5.02 / 4.Tag / 23:10 Uhr
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Den heutigen Tag hatte ich volles Programm und bin so jetzt völlig platt. Heute ging es also vom eher mittelprächtigen Hotel in das Wasserdörfchen TONGLU. Überhaupt finde ich die Relationen hier ja recht witzig. Dieses bescheidene "Dörfchen" hat nämlich mal eben ca. 300 000 Einwohner!!! Eine kleine Stadt mindestens 1-2 Mio., eine durchschnittliche chinesische Stadt 5-8 Mio. Einwohner! In Tonglu jedenfalls unternahmen wir eine Fahrt mit der Gondel durch die zahlreichen Kanäle der Altstadt. War sehr malerisch und ruhig. Hat mir viel Spaß gemacht. Hier schien die Zeit echt stehengeblieben zu sein. Danach ging es zur Besichtigung einer Seidenweberei in Suzhou. Selbstverständlich mit anschließender Verkaufsveranstaltung.......  Suzhou entwickelte sich im 12. Jahrhundert zum Zentrum der chinesischen Seidenweberei und wurde wohlhabend. Neben traditioneller Industrie gibt es hier heutzutage auch zahlreiche Mikroelektronikbetriebe.   Indes war es schon mal interessant bei der Gewinnung der Seide zuzuschauen. War zum Teil zwar schon ein wenig ekelig für mein Empfinden, aber okay... Anschließend gab es in einem integrierten Restaurant unser Mittagessen. Zum Glück war keine der übriggebliebenen Seidenraupen darunter! :-)
Zum Schluß des Programms stand noch ein weiterer, wieder sehr schöner Garten, mit massig Koi-Karpfen auf dem Programm. Es erfolgte die etwa zweistündige Rückfahrt Richtung Shanghai und eigentlich war Feierabend. Fakultativ fand aber noch eine Lichterfahrt und der Besuch einer Akrobatikshow statt. An beidem nahm ich teil. Habe es auch net bereut. Für 130 Yuan gab es Akrobatik der abenteuerlichen Extraklasse und einen sehr futuristisch anmutenden Blick auf das nächtliche Shanghai zu sehen. Der nackige Wahnsinn! Sehr witzig war auch der Übergang von der Akrobatikshow zur Lichterfahrt. Das gab es schon einige eher unfreiwillige Slapstickeinlagen unserer Reiseleitung bzw. der Busfahrers zu bewundern. *lächel* Der Busfahrer hatte uns nämlich noch gar net erwartet und überschlug sich geradezu (wie in einem der bekannten Eastern) geradezu, als er uns sah. Ein Großteil der Lichter in Shanghai geht nämlich gegen 22 Uhr aus und so verließen wir die Akrobatikshow ein klein wenig plötzlich um der Rush Hour rund ums Theater zu umgehen. Was dann auch sehr gut gelang!
Morgen geht es ja bereits wieder um 6:30 Uhr aus den Federn. Irgendwie habe ich mich ja noch nicht so richtig an die Zeitumstellung gewöhnt.
Beinahe hätte es heut ja auch mal mit einem Anruf nach Hause geklappt. Ich hatte mir dazu einen Telefonkarte über 100 Yuan (ca.18 Euro) von unserem Reiseleiter besorgt. Das klappt schon ganz gut. Telefone hängen auch genug rum in China. Aber der Zeitplan....nicht mal Zeit für Ansichtskarten ist da... Man(n)/Frau kommt sich da echt vor wie die hierzulande belächelten Japaner, die mit ihren Kameras den klassischen Fast Food-Tourismus rüberbringen. Aber dieses Land ist numal so wahnsinnig riesig und wir haben soooooooo wenig Zeit! *seufz*

25.5.02 / 5.Tag / (verfaßt am 26.5.02 11:00 Uhr)
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Huch, jetzt komme ich aber in Schwulitäten. Keine Zeit den Reisebericht zu vervollständigen und jetzt dabei auch noch ungenügende Schreibverhältnisse (yogamäßige Haltung auf dem Bett) und gestörte Privatsphäre (mit einem anderen Teilnehmer der Reise auf dem selben Zimmer bzw. Kabine - aus Kostengründen). Jetzt aber erstmal zu gestern. Nach frühem Frühstück und Koffer verladen, ging es erstmal in die Altstadt Shanghais um den dort liegenden Yu-Garten zu besichtigen. Er enthält alle typischen Merkmale eines chinesischen Gartens: eine Kombination aus Architektur, Pflanzen, Natursteinen und Teichen. Vorbei an einem berühmten Teehaus, an dem unter anderem auch noch das Konterfei unseres Kanzlers verewigt ist, worauf unser Reiseleiter stolz hinwies (überhaupt hatten die Chinesen einen viel zu abgehobenen Eindruck von unseren Politikern. So was von schleimig - war ja fast schon echt peinlich. *lächel*). Weiter in die moderne Fußgängerzone, die ich ja bei der Lichterfahrt schon bei Nacht sah. Anschließend ging es durch den Autotunnel (es gibt auch einen für Fußgänger vom "Bund" aus) auf die andere Seite in den Stadtteil namens Pudong. Hier sollen ja angeblich vor gut 15 Jahren noch Reisfelder gewesen sein. Unglaublich bei der atemberaubenden Ansicht, die sich uns hier bietet. Mit dem Fahrstuhl ging es auf die Aussichtsebene des höchsten Gebäudes der Stadt - dem JIN MAO TOWER. Wirklich eine sehr beeindruckende Architektur und eine raketenhafte Fahrt mit dem Fahrstuhl in den 88sten Stock. Oben gab es leider wieder ein wenig Probleme mit dem Dunst der über der Stadt hing. Trotzdem alles sehr beindruckend. Zudem ist das Gebäude innen quasi hohl und so konnten wir von der Aussichtsebene (die übrigens rundum verglast war und leider nicht offen) einen Blick auf die Paterre und die dortige Rezeption des Hilton Hotels (ca. 50ster bis 88ster Stock - der Rest wird von Banken beansprucht) werfen. Hatte so ein bißchen StarWars-Feeling das Ganze! :-)
Daraufhin gab es Mittagessen in einem noblen Hotel, mit Ausblick auf einen eher kitschigen Nachbau eines europäischen Schlosses (?) inmitten diverser Hochhäuser Shanghais! Die Verdauung fand dann bei einer Schifffahrt durch den Hafen statt. Anschließend zum Flughafen, wo ich es endlich mal geschafft habe eine Anruf abzusetzen. Unser Flieger brachte uns nach Yichang. Dort wartete, nach einstündiger Busfahrt mit unverschämter Reiseleitung (verlangte der lokale Reiseleiter für die halbe Stunde Transfer und alten Schleimereien über Deutschland doch tatsächlich ein Trinkgeld!), unser Kreuzfahrtschiff auf uns. Das Schiff trug den Namen "Sanguo" was soviel wie "Drei Königreiche" bedeutete. Dabei handelte es sich um den optischen Nachbau eines alten chinesischen Kriegsschiffes. Dementsprechend kitschig (und leider auch abgehalftert) sah das Schiff dann vor allem von draußen aus. Allerdings war es Nacht und es war noch nicht soviel zu entdecken. Nach einem ersten Briefing mit einer sehr hübschen, aber leider auch noch englisch sprechenden lokalen Reiseleiterin ging es noch an die Bar, wo ich mich an köstlichem Schwarzbier namens "LOCAL STOUT" labte (für "schlappe" 3,50 Euro die Pulle). Schließlich fand alles sein Ende und das Bettchen rief mich zu sich! :-)

26.5.02 / 6.Tag / 13:50 Uhr
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Inzwischen konnte ich mir mal einen Gesamteindruck vom Schiff machen. Wie schon erwähnt, war es äußerlich schon mächtig abgetackelt. Die Teppiche waren abgelöst und verschmutzt. Die Bodenplatten darunter rostig und verwunden. Bei jedem Schritt hatte man den Eindruck gleich einzubrechen. Scheiben waren kaputt und viel Klimbim (wie diverse Pseudomasten, Kommandobrücken, Katapulte und Töpfe) standen auf dem Deck herum und verstellten zum Teil die Aussicht auf die umliegende schöne Landschaft. Das Innere des Schiffes, sowie Kabine (vielleicht etwas eng für zwei) und sanitäre Anlagen (hätte nicht so einen kräftigen, ausdauernd heißen Strahl aus der Dusche erwartet) gingen voll in Ordnung. Die Nacht ebenfalls. Wir hatten beide Stöpsel drin. Das Schiff fuhr zwar nicht, es gab aber trotzalledem genug Nebengeräusche die einigen unserer Gruppe Schwierigkeiten bereiteten. Nachdem ausgezeichneten Frühstück ging es via Bus zu der Baustelle des Drei-Schluchten-Staudamm-Projekts. Die Staumauer soll bis 2009 in Betrieb gehen und wird 185 Meter hoch werden. Der 3-Schluchten-Damm wird der größte Damm weltweit sein. Der Pegelstand wird um 110 auf 175 Meter über dem Meeresspiegel ansteigen. Zahlreiche Ortschaften werden dem 3-Schluchten-Staudamm zum Opfer fallen. Es werden insgesamt ca. 1,2 Millionen Menschen umgesiedelt. Ein seltener Programmpunkt für eine Kulturreise, aber sicherlich ob der zu erwartenden Veränderungen der Natur etc. nicht unwichtig sich mal vor Ort darüber zu informieren. Wie schon fast gewohnt, waren die Sichtverhältnisse eher bescheiden. Es war zwar warm und sonnig, allerdings auch wieder sehr dunstig. Wiederum eine wahnsinnig gigantische Baustelle, die sich uns da in ihrer puren Häßlichkeit offenbarte. Wenn das men alles gut geht. Nach der Rückkehr auf das Schiff und dem Mittagessen durchfuhren wir bereits die Erste der drei Schluchten (Xiling-Schlucht). Sie erinnerte mich stark an das Rheintal, nur halt ohne Burgen und Weinberge, die sich aber zum späteren Zeitpunkt der Reise auch noch vor uns auftaten.

19:55 Uhr
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Noch'n Nachtrag: Nachdem ich soweit mit meiner Reiseberichterstattung fertig war, hatte ich es mir noch ein wenig auf dem Bettchen gemütlich gemacht. Es hätte ja noch die Möglichkeit gegeben, an einem Kursus zur Fußreflexzonenmassage teilzunehmen. Das war aber nicht wirklich so mein Ding. *schüttel* Jeden Tag wurden diverse Kurse an Bord angeboten. Da sich aber das Panorama draußen laufend veränderte, war man natürlich eher geneigt zu schauen, was draußen so vor sich ging. Kurz darauf trat dann auch die nächste Schlucht in Erscheinung. Sie wurde als WU-SCHLUCHT bezeichnet. Auch wieder sehr interessant. Noch dazu, wo sich die Sicht etwas besserte und die Sonne entgültig hervorbrach. Nach dem "Captains Dinner" (witzigerweise OHNE Captain) sollte noch eine Aufführung chinesischer Folklore stattfinden. Interessanterweise sind die chinesischen Mädels an Bord für die Mahlzeiten, Auf- und Abdecken, Spülen, putzen und das Abendprogramm an Bord zuständig. Unglaublich, was die da für ein Arbeitspensum haben.
Hab mal kurz reingeschaut. Andererseits ist die Nacht ja schon wieder um 5:50 Uhr vorbei! Und ich dachte ich hätte Urlaub! *säuerlichlächel*
 

27.5.02 / 7.Tag / 19:30 Uhr
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Meine zweitbeste Nacht des Urlaubs. Habe geschlafen wie ein Baby. Bin auch recht früh ins Bettchen und habe mich von dem ganzen Drumherum (draußen wurde wohl gefeiert) nicht beindrucken lassen. Die meisten meiner Gruppe hatten nämlich kein Auge zugetan. Es sind halt doch recht hellhörige Wände und laute Einheimische, außerhalb des Schiffes an der Mole, taten ihr übriges, da wir zwischen zwei Schiffen eingeklemmt waren, auf welchen die Mannschaften wohl kräftig ihren Landurlaub feierten. Wecken war ja sowieso ziemlich hart (5:30 Uhr). Nach dem Frühstück ging es mit einem kleinen, leider relativ geschlossenen Motorboot durch drei kleine Nebenschluchten (von wegen offene Holzboote, die nach alter Art von Männern durch die Schlucht gezogen werden). An und für sich eine super Sache. Allerdings hätte ich mir unterwegs gerne den einen oder anderen Landgang gegönnt. Wir hatten wohl ein halbstündiges Päuschen. Leider an einer völlig uninteressanten Stelle - nämlich auf einem steinigen Riff mitten in der Schlucht. Boah ey, war das langweilig! Dabei gab es links und rechts soviele interessante Punkte, wie zum Beispiel die hängenden Särge (in gut 100m Höhe in der Felswand eingelassene Särge). Na ja...die konnten wir nicht wirklich besichtigen, da sie doch in luftiger Höhe waren....
Zurück auf dem Schiff wieder ein leckeres Mittagessen. Weis gar net, ob ich mich je wieder an die deutsche Küche gewöhnen kann.... :-)
Komischerweise nehme ich immer mehr ab obwohl ich schaufel wie ein Scheunendrescher!!! *rätsel* Bei so einem Essen wird einem so eine enorme Vielfalt vorgesetzt. Das ist echt genial! Ob süß oder sauer, heiß oder kalt, scharf oder mild, Fisch, Fleisch, Gemüse, Obst etc. Schon erstaunlich, daß der Magen das alles so schadlos mitmacht...
Inzwischen bemerke ich auch eine wunde, sich verhornende Stelle am linken Mittelfinger vom intensiven Gebrauch der Stäbchen.... :-)
Am Nachmittag dann die Durchfahrt durch die letzte der drei Schluchten, der QUTANG-Schlucht -oder auch Blasebalg-Schlucht. Wieder sehr beindruckend. Danach hab ich mir es erstmal wieder auf dem Bettchen gemütlich gemacht. Es gab auch die Möglichkeit jemandes beim INNENglasmalen zu beobachten (Flaschen werden mit gekrümmten, feinen Pinseln und extrem ruhiger Hand von INNEN mit komplizierten Motiven verziert. Das ist für mich von der Thematik natürlich sehr interessant, da ich ja nunmal aus der Glasbranche komme. Habe dann aber doch lieber den sehr interessanten Ausblick von meiner Kabine aus genossen. Den Luxus meines damaligen ägyptischen Kreuzfahrtschiffes kombiniert mit der phantastischen chinesischen Landschaft, die sich hier auf unserer 600km langen Fahrt über den Yangtzi auftut. Das wäre schon ein Traum.

28.5.02 / 8.Tag / 16:55 Uhr
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Habe heute mein persönliches Highlight der Kreuzfahrt erlebt. Trotz üblen, kühlen Wetters (monsunartiger Regen beglückte uns zeitweise) - da wurde mehr erstmal so richtig bewußt, daß ich gar keine vernünftige Jacke dabei hatte - habe ich heute die schönste Tempelanlage bisher, in der "Geisterstadt" Feng Du bestaunen dürfen. Eigentlich heißt der Bereich um den Tempel Geisterstadt. Ich hatte angenommen, die ganze Stadt (ca.1 Mio. Einwohner) wäre ausgestorben. Mitnichten! Hier tobte noch voll das Leben! Da wurde mir erstmal richtig bewußt , was hier demnächst alles dem Wasser zum Opfer fällt! Ich hatte in einem Anflug von Naivität gedacht, es wären ein paar tausend Bauern von dem Staudamm betroffen. Mitnichten! Millionen von Menschen müßen sich umsiedeln lassen. Alle paar hundert Meter erinnern Tafeln, die an den Berghängen angebracht sind, auf denen der Wasserstand abzulesen ist an die kommende Flut. Ist irgendwie richtig makaber und dennoch gut, daß ich mir das mal vor Ort angeschaut habe. Bekomme ich mal einen richtigen Eindruck dieses Wahnsinns. Nun ja, der Tempelkomplex war jedenfalls in herrlicher Lage an den Berg gebaut und klasse verschachtelt und verwinkelt. Später wird nur noch der obere Teil des Tempels und eine moderne, skurril wirkende Hotelanlage (in Form eines Buddhas oder sowas ähnliches) an Feng Du erinnern. Auch hier hatten wir das "Vergnügen" uns von der Organisation vor Ort "beeindrucken" zu lassen. So hatten wir wieder relativ wenig Zeit uns in der oberen Tempelanlage umzusehen. Den unteren Teil mußten wir komplett "links liegen lassen". Zum oberen Teil ging es übrigens via Seilbahn (aus Zeitgründen auch der gewählte Weg) oder über gut dreihundert Stufen, die ich hinunter vorgezogen habe. Unten angekommen, war der Bus noch nicht da und wir bekamen die zehnminüzige Gelegenheit uns unten in der Stadt umzuschauen - also quasi einmal die Straße rauf und runter zu rennen. Wieder am Treffpunkt gab es plötzlich eine halbstündige Verlängerung. *grummel* Alles Zeit, die wir auch mit dem Besuch der unteren Tempelstadt, die ja nun unwiederbringlich unter Wasser verschwinden wird, verbringen hätten können. :-(
Insgesamt waren wir eh hinter unserem Zeitplan zurück und unser Schiff mußte nun permanent bis zum Zielhafen in Chonging auch die Nacht über durchfahren. Es regnete unablässig und war extrem dunstig. Zum Teil konnten wir nicht mal mehr das Ufer vom Schiff aus erkennen. Auf dem Schiff gab es derweil eine Souvenir-Auktion, unter anderem mit Kaligraphien eines bekannten chinesischen Künstlers, der sich auch an Bord befand . Ich muß gestehen, ich bin vielleicht ein Kunstbanause, aber für mich sind das größtenteils nur uninspirierte Schmierereien. Okay .... kunstvoll "hingeschmierte" ....na okay.... ausgearbeitete chinesische Schriftzeichen gehen ja noch voll in Ordnung ... was es da aber teilweise auch noch gibt und dann auch noch angehimmelt wird, ist in meinen Augen schon unglaublich! Am Abend gab es dann noch eine "Fashion- und Cookingshow". Recht kurzweilige Unterhaltung jedenfalls. Dabei fiel mir erstmal so richtig auf wie hübsch eigentlich das weibliche Personal des Schiffes war. :-)
Ach ja....ein Film gab es auch noch über den Bordkanal in unseren Kabinen zu bestaunen. Der behandelte das Thema der drei Schluchten. Hätte ich ihn men nicht angeschaut. Da habe ich erstmal gesehen, was ich NICHT gesehen habe und das alles noch bei bestem Wetter. Kann ich irgendwie gar net nachvollziehen, wann die ihre Ansichtskarten knipsen und Filme drehen. Die liegen bestimmt für den Augenblick das ganze Jahr auf der Lauer! *ersichdenkt* :-)
Habe auch in Feng Du kurz nach Haus telefoniert. Ist schon komisch. Rundherum kann die totale Armut herrschen, einen funktionierenden, modernen Telefonapparat findest Du aber immer!
Stehst also mitten in den Slums und telefonierst mit einer astreinen, klaren Leitung die gut 9000km nach Hause. Echt sick!

29.5.02 / 9.Tag / 19:52 Uhr
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Ah...endlich mal wieder eine vernünftige Schreibunterlage! Ein ganz schön erreignisreicher Tag war das heut. Es begann eigentlich so richtig trist. Zuerst einmal war ja heute unsere Kreuzfahrt vorbei. Hatte mich gerade so richtig eingelebt und die Zeit an Bord so richtig genossen. Noch dazu, wo jetzt ja auch eine gewisse Ruhe eingekehrt war und wir nicht ständig rastlos von Hotel zu Hotel zogen. Nun liefen wir bei ziemlich trüber aber warmer Witterung in den Hafen von Chonqing ein. Die Stadt soll inklusive aller Eingemeindungen rundherum um die 30 Mio. Einwohner (!) verteilt auf die Fläche von Österreich (!!) haben! Der Kern umfaßt dabei 15,3 Mio. Einwohner auf der Fläche von Hessen. Schon wirklich wieder unglaubliche Dimensionen. Und ich hatte vorher noch nie etwas von dieser Stadt gehört in der es übrigens so gut wie KEINE Fahrräder gab. Sie ist in ziemlich gebirgigen Gelände angelegt und so für das radeln einfach zu anstrengend! So schraubten wir uns dann auch gleich die Straße zu einem Park hoch, wo es an einer der 80 Sonnenstunden (!) pro Jahr (!!), laut Info unseres lokalen Reiseleiters, eine ganz gute Aussicht auf das Umland geben soll. Den Rest des Jahres ist es meist extrem nebelig in dieser Stadt. Wir hatten teilweise Glück und es schien sogar die Sonne, unglaublicherweise. Im Park angekommen, fiel unser Blick erstmal auf eine unheimlich häßliche Pagode, die wohl direkt aus der alten DDR importiert worden war. Uringelbes Mosaikmuster als Verkleidung. Bestückt mit nackigen Neonröhren rundherum. Ich wollte ja erst ein Foto davon machen, hab mich dann aber doch nicht getraut, weil ich Angst hatte, meine ganze Fotoserie mit diesem Anblick zu versauen. Im Nachhinein bedauer ich es. Na vielleicht werde ich ja bei Internetrecherchen (übrigens sehr billig hier das Surfen in Internetcafes) später noch fündig. *erhofft* Weiterhin gab es dort ein sehr interessantes Museum zum Staudammprojekt. Dort war ein gut 50m langes Gemälde zu besichtigen, welches die gesamte Distanz vom Damm in Yichang bis zum Endpunkt in Chongging darstellte. Makabererweise verdeutlichten nachträglich angebrachte Makierungen den späteren Wasserstand und die Anzahl der zu umsiedelnden Bewohner der Schluchten. Weiterhin waren zusätzliche Bilder mit der zukünftigen, gedachten Ansicht diverser Tempel oder ähnlichem ausgestellt. Von diesem Gemälde gab es auch noch eine verkleinerte Ausgabe zum Kaufen, welches ich dann auch tat. Weiterhin gab es dort herrliche Kunstwerke aus einem speziellen Jade zu bestaunen und kaufen. Leider hatte ich gerade keine 5000 Euro für die besten Teile in der Tasche und so lies ich es bleiben... :-)
Es gab zwar auch billigere Sachen für etwa 250 Yuan aufwärts (ca.35 Euro). Das war aber wirklich "pille-palle"... *grins*
Die Teile mußte ich wirklich mit der Lupe suchen...
Nach dem vorzüglichen Mittagsessen ging es zu einer modernen Kongresshalle, welches ein bißchen auf alt getrimmt war. So sah es von der Architektur mit den runden Dächern und glasierten Ziegeln eher wie ein Ableger des Himmelspalastes in Peking aus. Die Volkskongreßhalle beherbergt das lokale Parlament. Außerdem dient sie als Veranstaltungsort. Es befindet sich zudem eine Gemäldegalerie im Gebäude.  Fakultativ ging es dann noch in die Altstadt. Und die war wirklich alt. Das Strom und Telefon oberirdisch verlegt sind, ist ja nichts neues. Aber sogar Wasser- und Sanitärleitungen oberirdisch und als Stolperfallen quer über die Wege verliefen, fand ich schon ein bißchen seltsam. Der Spaziergang fand seine Ende in einem Teehaus mit chinesischer Live-Folklore. Hat mir sehr gut gefallen. Vor allem die Tee-Zeremonie. Endlich hat der Tee auch mal richtig geschmeckt. Es war zwar wieder nur der übliche Jasmintee - aber richtig gut und lecker und super serviert (Aus Kannen mit meterlangen Rüsseln kunstvoll über die Schulter eingegossen und noch nicht einmal was bei verschüttet). Begleitet wurde das ganze übrigens von einem wirklich gewitzten lokalen Reiseführer, der sein Trinkgeld endlich mal mehr als wert war. Anschließend ging es wiedermal zum Flughafen. Der zweite Inlandsflug stand an. Der Flug war sehr schön. Die Maschine, die uns nach XIAN brachte, war recht klein (30 Personen Fassungsvermögen) aber recht neu und das Flugwetter war phantastisch. Die Sicht war phänomenal. Es ging über riesige Berglandschaften, die zum größtenteil terrassenmäßig angelegte Felder aufwiesen, in die Tiefebene von XIAN oder auch XI'AN. Kurz vor der Landung riss die Berglandschaft nämlich ab und es gab eine Art Nulllinie. Die Landschaft erinnerte nun mehr an Holland mit vielen Feldern und vereinzelten Ansiedlungen - quasi die Kornkammer Chinas. Vom Flugplatz ging es via Bus in den alten Stadtkern von XIAN (ca.7.Mio Einwohner) wo sich unser zweitbestes Hotel (nach dem in Shanghai) befand. Leider konnten wir es nicht richtig würdigen, da wir dort ja auch nur eine recht kurze Nacht verbrachten. Davor machte ich aber noch ein Bummel durchs nächtliche XIAN, da wir wieder ein Hotel in der besten Lage erwischt hatten. So konnte ich die alte Stadtmauer besichtigen, die schön aber auch kitschig die Nacht über angestrahlt war. Der Wohlstand schien an XIAN auch nicht vorübergegangen zu sein. Und auch die Töchter der Stadt strahlten wieder eine Schönheit aus, die mich sofort gefangen nahm. Wir hatten aber wieder einen sehr guten lokalen Reiseleiter und das beste Wetter der ganzen Reise erwischt. Es war knappe 40°Celsius heiß und (fast bedauerlich) kein leises Lüftchen zu verspüren...

30.5.02 / 10.Tag / (verfaßt 31.5.02 20:19 Uhr)
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Leider hielt das Besichtigungsprogramm nicht das, was das Ambiente versprach. Ich fand an der zu besichtigenden Terrakotta-Armee (ein großes Gelände mit vier Hallen die über die Ausgrabungsstätte gebaut waren) und der großen (aber sehr schlichten) Wildgans-Pagode nicht wirklich gefallen. Sie bot aber zumindest aus der obersten Etage einen sehr guten Überblick die Geschichte um den Kaiser und seine Armeen mag ja sehr interessant sein (und ein entprechender sozusagen "echter" 3D-Film in Rundumprojektion auch sehr spektakulär). Mich sprach das alles mit seiner unspektakulär und staubigen Präsentation aber nicht so recht an. Insgesamt der Tiefpunkt der Reise. Nicht schlecht, aber irgendwie nischt besonderes. Noch dazu kam ja eine gewisse Unpäßlichkeit mit dem Magen. Hatte die ganze Nacht kein Auge zu getan. Mir (und übrigens auch drei anderen meiner Gruppe) war leicht übel und wir hatten eine Druckgefühl in der Magengegend. Zum Glück war das Essen am heutigen Tage auch nicht so toll, daß wir nicht soviel verpaßt haben. Es kam sehr europäisch rüber und hatte mehr so den Flair von "Bonduelle aus der Dose".... :-)
Die Suppen waren allerdings zum ersten Male extraklasse und so labte ich mich ein wenig an ihnen.
Am Abend stand uns dann noch ein neues Abenteuer bevor: Die gut elfstündige Fahrt von Xian nach Peking mit dem Zug. Es war die witzigste Zugfahrt die ich je unternommen hatte! Wir waren in vier Abteilen mit jeweils 4 Betten untergebracht. In der sog. weichen Klasse. Es war so eine Art Mischung aus unseren Liegewagen (vom Aufbau) und Schlafwagen. In der harten Klasse gab es zwar auch gepolsterte Liegen. Nur fand dies alles unter der Prämisse eines Massenschlafsaals ohne Trennwände statt. Na jedenfalls war das Bier an Bord sehr günstig, die Abteile durchaus kompfortabel und mit Klimaanlage ausgestattet, die wir sofort als Möglichkeit zur Bierkühlung warnahmen. Komischerweise kann man in China nämlich auch warmes Bier auf der Speisekarte finden. Also ich habs doch lieber kühl! *grins*
Die Gruppe war auch in super Stimmung. Teilweise quetschten wir uns (nachdem wir aus dem Speisewagen rausgeschmissen wurden) zu 15 Leuten in ein Abteil. Die ganze Fahrt war feuchtfröhlich. Nur der teilweise lausige Zustand der Gleise störte ein wenig. Teilweise hatte ich den Eindruck es würde immer wieder ein Stück Gleis fehlen, so ein Ruck ging manchmal durch den eh meist dahinschleichenden Zug...
Gegen 12 Uhr war Feierabend und mit der Hilfe von Ohrenstöpseln und unter Berücksichtigung der vorherigen Nacht habe ich dann schlafen können wie ein Baby!

31.5.02 / 11.Tag / 20:50 Uhr
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Wecken im Zug war so gegen halb sieben. Hätte natürlich noch weiterschlafen können. Wie sollte es anders sein hatte der Zug natürlich Verspätung und lief ne gute viertel Stunde später in Chinas größten Bahnhof, dem Beijing (Peking) Westbahnhof, ein. Der Ortsname "Beijing" bedeutet übrigens "Nord-Hauptstadt". Da die Stadt nicht immer als Hauptstadt fungierte, trug sie zu verschiedenen Zeiten auch andere Namen, z.B. "Beiping" ("Nördlicher Friede"). Auf dem Parkplatz vorm Bahnhof wartete schon unser Bus. Nur wußte unsere lokale Reiseleiterin wohl net genau wo. Deshalb marschierten wir im Gänsemarsch vor dem Bahnhof auf und ab um letztlich, nach einem Telefonanruf, zu bemerken, daß wir direkt neben dem Bus standen! War schon wieder sick, das Ganze! Ausnahmsweise handelte es sich nicht um unser inzwischen liebgewonnenes Fabrikat der Marke (?) KING LONG. Nein, wir mußten es uns in einem recht engen Toyota bequem machen. Nach über einer Stunde Fahrt durch einen, an Shanghai erinnernden, Stau kamen wir an unserem Mittelklasse-Hotel an. Es gab kurzes Frischmachen und Frühstück. Dann ging es wieder ab in den Bus die ersten Programmpunkte abgrasen. Der erste Punkt war der Tianamen-Platz - besser bekannt unter dem merkwürdigen Namen (denkt man doch gleich an den Studentenaufstand) "Platz des himmlischen Friedens". Dieser Platz soll mal eben viermal so groß wie der rote Platz von Moskau sein. Direkt ging es weiter zum nebenan liegenden Kaiserpalast oder auch der "verbotenen Stadt", einer riesigen Palastanlage mit 9999 Räumen und zahlreichen Plätzen und Gärten. Leider auch hier wieder viel zu wenig Zeit. Anschließend ausführlicher Bummel durch die Fußgängerzone und ein gemäßigtes Abendessen (nichts scharfes dabei). Das Mittagessen fiel wegen des straffen Zeitplans aus. Stattdessen gab es ein Abendessen. Erstaunlich, wie flexibel es doch teilweise in China zugeht (mußten aber erst als  Gruppe geschlossen unsere Meinung vertreten). Schließlich Fahrt zum Hotel und endlich Feierabend. *lächel*
Morgen geht es endlich zu meinem persönlichen Höhepunkt der Reise: Der großen Mauer! *freu*
Bin schon sehr gespannt und hoffe vor Ort genügend Zeit zu haben!

1.6.02 / 12.TAG / 20:00 Uhr
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Hatte heute einen typischen Fall von "Fastfood-Tourismus". Leider! Schließlich war heute unter anderem der Besuch der großen Mauer angesagt. Nach einer guten Stunde Fahrt und einem zwischenzeitlichen Abstecher in eine Perlenfabrik, erreichten wir das, touristisch ausgerechnet am stärksten frequentierte, Stück der Mauer bei Badaling, 70 km westlich von Peking gelegen. Der erste chinesische Kaiser ließ die Große Mauer als Grenzbefestigung anlegen, nachdem er das chinesische Reich geeinigt hatte (ca. 210 v.Chr.). Hierbei wurden bereits bestehende Mauern zu einem Gesamtsystem zusammengefaßt. Die Gesamtlänge der Mauer beträgt ca. 7000 km. Das heutige Aussehen erhielt die Mauer unter der Ming-Dynastie (1368-1644). Die Anlage wurde ausgebaut und weiter befestigt. Es gibt noch zwei weitere restaurierte Teilstücke der Mauer, die ich am Liebsten auch noch gesehen hätte. Noch dazu, wo sich dort nicht die Masse der Touristen hin verirrt! Schon irgendwie schade. Da ist die Mauer so lang und alle stürzen sich auf den selben Punkt. Okay, zum Teil besteht die Mauer natürlich nur noch aus kaum sichtbaren Erdhügeln. Nichts desto trotz.... Insgesamt ist der Urlaub seit ich in Peking bin, noch ne ganze Ecke hektischer geworden. Die Anzahl vor allem asiatischer Touristen, die ziemlich unhöflich und rücksichtslos agieren (allein schon was den Gebrauch von Handy's und Fotokisten betrifft), hat drastisch zugenommen. Vor lauter Menschenmassen kann ich den eigentlichen Grund meines Hierseins kaum noch sichten. Werde wohl eines Tages Peking noch einmal speziell einen Besuch abstatten dürfen. Die angebotene Kultur ist schon sehenswert aber leider nicht im D-Zug-Tempo erschließbar. Aber ich schweife ab...
Es gab also zwei Möglichkeiten des Mauergangs. Ich hatte mich (zu meinem späteren Bedauern) für das optisch steilere und weniger frequentiertere Teilstück der Mauer entschieden. So kraxel ich also munter drauf los und mache Spießrutenlauf mit einem Haufen fliegender Händler und vornehmlich asiatischer Touristen, die unvermittelt auftauchen, dir ihre Fotokisten ins Gesicht oder besser in die Magengegend stopfen (sind ja net so groß. die Jungs und Mädels), rumbrüllen und dabei ihre meist net ganz so strahlend weißen Gebisse entblößen! *seufz* Nach dem Ende des steilsten Anstieges (teilweise ohne Treppen, die auch net wirklich ihren Namen verdienen) bei dem fast noch Leitern angestellt gehört hätten, kehrte dann etwa Ruhe ein und ich konnte beherzt weiter schreiten. Doch dann, nach dem dritten Wachturm, die in etwa 50m Entfernung zueinander stehen, ging es plötzlich nicht mehr weiter. Der Ausgang des Turms war zugemauert und die Mauer dahinter nicht restauriert und in erbärmlichen Zustand. Gerade von dem Schock erholt kamen auch ein paar wirklich penetrante Händler/innen angestürmt, die unbedingt ihr Zeug an den Mann/die Frau bringen wollten. Teilweise nichts mehr vor lauter Seidentüchern, Tontafeln, und was es sonst noch so an Nepp gibt, sehend, machte ich noch ein paar Aufnahmen (mußte mir schon inzwischen Filme von Mitreisenden geben lassen, da mein geplantes Kontingent von 5 Filmen längst aufgebraucht war) und trat dann eiligst den Rückzug an. Noch nie habe ich solch penetrante Händler gesehen. Na ja....bekommen so weit vom Schuß warscheinlich seltener Besuch... Ein wenig Zeit hatte hatte ich noch (von insgesamt nur 2 Stunden war etwa eine vorbei) und so beschloß ich noch im Eiltempo die andere Richtung in Angriff zu nehmen. Schnell stellte ich fest, daß dieser begehbare Teil der Mauer erheblich länger war. Ich kam in einen richtigen Kletterrausch und vergaß schnell die Zeit um mich herum. So rettete ich mich von Türmchen zu Türmchen und wollte einfach nicht umdrehen. Schließlich war ich mit meiner Zeit wirklich durch und schließlich auch der letzte der Gruppe, die bereits im Bus wartete. Weiter ging es zum Mittagessen, vorbei an einem Mauerabschnitt, der überhaupt nicht so überlaufen war. Traurigkeit umfing mich, nicht mehr Zeit gehabt zu haben... Nach dem Mittagessen besuchten wir noch den "gerade mal" 290 Hektar großen Sommerpalast, mit einem riesigen See in der Mitte und dem längsten Wendelgang der Welt mit knapp 800m. Der Sommerpalast befindet sich 13 km nordwestlich der Innenstadt von Beijing. Hier residierte die Qing-Regentin Kaiserwitwe Cixi, die in der Endphase des Kaisertums herrschte. Der Sommerpalast wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrfach von europäischen Kolonialtruppen zerstört. Er wurde jedoch trotz der zerrütteten chinesischen Staatsfinanzen wieder aufgebaut. Hierfür wurden auch Mittel zweckentfremdet, die eigentlich für die kaiserliche chinesische Marine vorgesehen waren. Leider wieder alles total überlaufen und von der Zeit viel zu knapp. Der Besuch endete mit einer Bootsfahrt über den See. Unsere lokale Reiseführerin schien leider noch recht frisch in ihrem Fach zu sein. Sie spulte ihr Programm mehr oder weniger ab und konnte mit Rückfragen bzw. Anmerkungen zu anderen Themen gar nichts oder wenig anfangen. Von kritischen Fragen beispielsweise zum Umweltschutz oder der Politik ganz zu schweigen. Sie stehen warscheinlich ziemlich unter der Knute ihres Regimes...

2.6.02 / 13.Tag / (verfaßt 4.6.02 6:23 Uhr)
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Mensch, jetzt wird es aber allerhöchste Zeit für den Abschluß meines Reiseberichts, bevor ich eventuelle Details völlig verschwitzt habe!*lächel* Sitze nun, nach einem kleinen Zwischenstop bei einer Freundin, da ich den Anreisetag keinen vernünftigen Zug erwischt hatte und so sonst auf dem Bahnsteig hätte übernachten müssen, im ICE Richtung Köln. Der letzte vollständige Tag in Peking war nochmal richtig erlebnisreich. Erst einmal konnte ich mal wieder richtig lange schlafen. Gegen 9:25 Uhr ging es in Richtung des Lamaklosters, welche als eine der schönsten Tempelanlagen Pekings bezeichnet wird. Leider waren wir wieder einmal nicht die Ersten. Alles war wieder ziemlich überlaufen und der Zeitplan sehr eng (warum eigentlich*ersichfragt*). In dem Tempel stand jedenfalls als besondere Attraktion eine, aus einem einzigen Stamm geschnitzte 25m hohe Statue des Maitreya-Buddhas. Danach ging es praktisch nur über die Straße zum Tempel des wohl jedem bekannten Konfuzius. Und huch.....was war denn hier los? Gar nischt! Idyllische Stille! Traumhaft! Der Tempel war auch noch mehr im Originalzustand gehalten und nicht so bunt restauriert wie die anderen. Deshalb vielleicht nicht attraktiv genug für die große Schar der Touristen? Nach dem anschließenden Essen war das offizielle Programm bereits beendet. Ein Teil der Gruppe fuhr ins Hotel, ein anderer in die Einkaufspassage. Ich dagegen schloß mich zweier Mädels aus meiner Gruppe an, die jemanden ihnen, mehr oder weniger bekanntes treffen wollten. Es handelte sich um einen deutschen Studenten der in Peking chinesisch studiert hatte und zur Zeit ein Praktikum bei der Lufthansa in Peking machte. Mit ihm hatten wir uns vor dem Lamakloster verabredet. Unter seiner Führung (war immer witzig anzuschauen wenn die Chinesen rundherum ihre Späßchen mit uns "Langnasen" machen wollten und dann keck auf chinesisch zurück paliert wurde...*grins*) besuchten wir noch zwei Gärten abseits des Touristenstroms und genossen ein kühles TSING TAO-Bier in einem der "Biergärten". Außerdem wurde uns noch ein schöner Blick auf den Kaiserpalast und die "Verbotene Stadt" gewährt. In einem der Gärten war auf einem kleinen künstlichen Berg (er bestand aus dem Abraum des umliegenden Kanals des Kaiserpalastes) eine Ausichtsplattform in Tempelform zu beschreiten. Na es ist auf jeden Fall eine Wahnsinnsanlage mit all ihren hunderten Dächern und tausenden Räumen. Innen drin kann man sich glatt verlaufen. Danach waren wir in einer Einkaufspassage vornehmlich für Einheimische. Unangenehm fiel mir wieder mal der starke Gebrauch von Megafonen zur "Marktbeschreiung" auf. An einer Ecke wurde ein monotones Band abgespult, wo eine Stimme die ganze Zeit auf chinesisch "BROT!" brüllte. Könnt ich auch net den ganzen Tag ertragen. Weiter führte uns der Weg fast übergangslos in ein Armenviertel, wo die Menschen aber trotz ihrer Lage sehr glücklich wirkten und das Beste aus ihrer Lage zu machen schienen. Zum Beispiel gab es nur ein Gemeinschaftsklo auf der ganzen Straße. Immerhin noch für Männlein und Weiblein getrennt. Nun wollten wir uns noch eine echte Pekingente zu Gemüte führen. Ist ja normalerweise net mein Ding. Hab mich aber natürlich mitziehen lassen. Was soll ich denn alleine in Peking schon anstellen! :-)
Hab es letztendlich auch nicht bereut. War ziemlich überrascht über die Präsentation und Ausführung der Ente. Vorher mußten wir allerdings einen Tisch bestellen und eine Nummer ziehen. Wieder viel uns auf, daß die Chinesen beim Essen in einem Restaurant nicht so auf beschauliche Ruhe und gediegenes Ambiente achten. Es war mehr so eine Massenabfertigung mit viel Getöse in einem riesigen Saal. Wir vertrieben uns derweil die Zeit in einer heruntergekommenen Kaschemme in der Nachbarschaft bei einem Bierchen, welches übrigens allerorts sehr bekömmlich und wohlschmeckend sowie billig zu bekommen ist (meistens Leichtbier mit 3,8 Umdrehungen für etwa 4 Yuan also etwa 0,55 Euro - Ausnahme bildete da das Kreuzfahrtschiff, wo das Bier mal eben mit 25 Yuan (3,45 Euro) zu Buche schlug! *ätz*). Uns fiel dabei die Plastiktischdecken und der frisch gewischte Boden auf. Dies muß wohl mit der ungewöhnlichen Angewohnheit oder halt Sitte der Chinesen zu tuen haben, geräuschvoll den Rotz hochzuziehen und auszuspucken, wo man halt gerade verweilt. In gediegenerem Ambiente gibt es sogar extra Spucknäpfe. Nach dem Essen ging es jedenfalls nochmal eiligst zum Tianmen-Platz (Platz des himmlischen Friedens), der allerdings nicht so schön beleuchtet war, in Richtung U-Bahn. Das Pekinger U-Bahnnetz ist recht simpel gestrickt. Es gibt nur zwei Linien. Die eine Linie verläuft schnurgerade, die andere im Rechteck. Jede Fahrt kostet 3 Yuan. Solange die Unterwelt nicht verlassen wird kann so oft wie gewollt umgestiegen oder die Bahn gewechselt werden. Kehrt man an die Oberfläche zurück und will dann wieder runter, sind weitere 3 Yuan fällig. Abschließend hingen wir noch ein wenig im Biergarten unseres Hotels ab. Schade war das unsere Gruppe leider erst sehr spät untereinander warm wurde. Hätten wir noch eine Woche gehabt, hätten wir unsere Bekanntschaften sicherlich vertiefen können. So bleibt abschließend nur zu sagen, daß China topographisch, kulturell und vor allem kulinarisch auf alle Fälle eine Reise wert ist und mich sicherlich nicht zum letzten Male gesehen hat. Vor allem mit "the Great Wall" habe ich noch eine Rechnung offen! :-)


Anmerkung:
Alle Bilder dieser Seite entstammen der DVD China 2002 - von Shanghai nach Peking des Mitreisenden R.Friedrich, 65510 Hünstetten!